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Camping-Rundreise durch Schottland: Highland-Feeling in Glen Coe und Bridge of Orchy

Eigentlich beginnen die Highlands in Schottland schon kurz nach Stirling. Wir waren also auch in Oban schon im schottischen Hochland. Doch uns ging es so wie es wohl vielen Schottland-Reisenden geht: Erst im Tal Glen Coe hat man tatsächlich das Gefühl, in den Highlands angekommen zu sein. Erst hier verändert sich die Landschaft so, dass es zum Bild im Kopf passt.

Wuchtiges Glen Coe

Schottland ist nun wahrlich kein großes Land. Dennoch kann man hier sehr unterschiedliche Landschaften erleben. Dazu gehören natürlich die Highlands, die jeder Reisende erleben möchte. So reisten auch wir von Oban aus weiter gen Norden und entschieden uns für einen nächsten Stopp im Tal Clen Coe. Durch dieses Tal führt eine für schottische Verhältnisse große Straße, neben der links und rechts die Berge des Clen Coe emporragen. Ob es jemanden gibt, dem nicht kurz die Kinnlade gen Boden rutscht, wenn er in das Tal hineinfährt und sich plötzlich in dieser imposanten Landschaft wiederfindet?

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Schottland jedenfalls, das steht spätestens hier fest, muss man gern haben. Selbst dann, wenn es einem kalten Wind um die Nase bläst und die Three Sisters, die markantesten Felsformationen im geschichtsträchtigen Glen Coe, von tiefhängenden Wolken umhüllt sind. In Deutschland wäre dies perfektes Couch-Wetter, in Schottland hat man selbst als Sommerfan trotzdem das Bedürfnis, hinauszugehen und das feuchte, felsige Grün zu erkunden.

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Dutzende, vielleicht hunderte Wasserfälle schlängeln sich wie Lebensadern die grünen Berge hinunter. Gekreuzt von Wander- und Spazierwegen, auf die man oft direkt von den Parkbuchten entlang der Hauptstraße hinabsteigen kann. Vom Örtchen Glencoe am westlichen Eingang des Tals aus führt eine einspurige Stichstraße entlang des Flusses Glencoe vorbei an einigen Unterkünften: ein Zeltplatz (auf dem Wohnmobile nur geduldet werden), mehrere Jugendherbergen und Lodges. Auch von dieser Stichstraße aus kann man wandern gehen.

Wild campen in Schottland

Trotz der wuchtigen Landschaft fühlen wir uns nicht so richtig wohl. Von der Hauptstraße führen keine Autostraßen in die Berge und da wir auf der Suche nach einem Schlafplatz abseits von Campingplätzen und vielen Menschen sind (so ziemlich jeder Schottland-Reisende fährt durchs Tal und möchte – wie wir natürlich auch – eindrucksvolle Fotos einfangen), fahren wir durchs Tal hindurch, durch den Wechsel von Sonne und Regen begleitet von mehreren Regenbögen.

Glen Coe Schottland

Schottland gehört zu den Ländern, in denen das wilde Campen erlaubt ist. Das heißt, man darf mit Wohnmobil oder Zelt überall übernachten, außer Schilder weisen (wie entlang der Hauptstraße im Glen Coe) auf ein Verbot hin. Selbst auf privatem Grund sollen es die freundlichen Schotten gerne erlauben, wenn man vorher fragt.

Also beginnen wir unsere Suche nach einem abgelegenen Plätzchen in der Natur. Im Tal selbst werden wir nicht fündig, fahren daher die große Runde auf der Hauptstraße weiter. Schnell wird das Land wieder flacher. Dicke Wolken hängen über den weiten Wiesen, trotzdem kommt hier und dort die Sonne durch. Jede Minute verändert sich das Licht und damit auch die Landschaft.

Der perfekte Platz

Irgendwann, rund eine dreiviertel Stunde vom Eingang des Tals entfernt, steht Bridge of Orchy auf der Karte. Ein winziger Ort mit nur wenigen Häusern. Wir biegen ab in eine kleine einspurige Straße, fahren einige Kilometer in Richtung des Sees Loch Tulla. Es ist eine Sackgasse, das wissen wir. Aber es gibt einen kleinen Parkplatz und wir hoffen, dass wir dort über die Nacht stehen bleiben können. Und wir haben Glück. Endlich wild campen – an einem perfekten Ort, an dem uns in den nächsten 24 Stunden fast keine Menschenseele begegnen wird.

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Es ist sehr windig an diesem Abend und die Nacht durch. Regen und Wind peitschen auf unser Dach, die wenigen Bäume rauschen wie ein ganzer Wald, doch sie bieten auch etwas Schutz. Im Zwielicht der Dämmerung sehe ich plötzlich, dass sich etwas Braunes auf den grünen Hügeln bewegt. Ich gehe mit der Kamera hinaus in das Getöse und wünsche mir kurz darauf ein Teleobjektiv herbei.

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Durch Wind und Regen entlang des Loch Tulla

Am nächsten Tag trotzen wir dem Wetter und gehen wandern. Fleecejacke, Regenjacke, Regenhose, Wanderschuhe – wir sind gerüstet. Während es mir in Deutschland selten gelingt, mich bei grauem Regenwetter aufzuraffen, freue ich mich hier auf eine dreistündige Tour durch Wind und Regen. Letzterer kommt an diesem Tag auf dem Hinweg schräg von hinten, auf dem Rückweg sprüht er einem kräftig direkt ins Gesicht. Eine kleine Geduldsprobe, wieder fühle ich mich klein, wie immer mag ich das.

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Wir lernen das Grün Schottlands besser kennen an diesem Tag. Grün in allen möglichen Schattierungen. Es wird uns auch auf dem Rest unserer Rundreise begleiten. Der Weg entlang des langgezogenen Sees Loch Tulla führt durch moorige Wiesen, die einen bei genauerem Hinsehen lehren, wie sie entstanden sind.

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Es passt fast schon zu gut ins Bild, aber hier am Loch Tulla begegnen wir den ersten schottischen Schafen auf unserer Rundreise. Wir hatten sie trotz des Windes schon länger gerochen, aber am anderen Ende des Sees haben sich unsere Wege dann gekreuzt. Sie waren davon allerdings nicht ganz so begeistert wie wir. ;)

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Und zum Schluss, fast schon zurück am Wohnmobil, trafen wir diesen Schutzengel. Es muss einer gewesen sein, denn wir hatten die Höhepunkte der Rundreise noch vor uns, auch wenn wir dies noch nicht wussten…

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Bilder: Sonja Kaute und Frank Stüdemann – danke dafür! :)

Alle Beiträge zu unserer Camping-Rundreise durch Schottland gibt es hier.

Wer war noch im Glen Coe und möchte seine Tipps teilen?

Wie immer freue ich mich über Rückmeldungen und Tipps von anderen Reisenden in den Kommentaren oder auf meiner Facebook-Seite. :)

2 Kommentare

  1. Danke für diesen Bericht. Wir starten nächsten Mittwoch und wollen in ungefähr die gleiche Tour machen. Euch noch viel Spass, gutes Wetter und viel Fotoglück.

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    • Hallo ihr zwei! Lustig, ich habe heute Morgen erst Euren Post in der Facebook-Gruppe gesehen. :) Ich wünsche Euch eine tolle Reise, Schottland ist so ein schönes Land. Ich habe es aber auch erst dieses Jahr kennengelernt. Wir sind leider schon wieder zu Hause. Ich blogge trotzdem auch noch über unsere weiteren Stopps demnächst. Alles Gute Euch! :)

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