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Kleine Goldsteig-Runde: So schön (und gefährlich!) ist der Oberpfälzer Wald bei Trausnitz

Ich werde nicht mehr alleine wandern gehen, ohne vorher irgendjemandem Bescheid gesagt zu haben, wo ich hingehe. Das habe ich mir zwar schon mehrfach vorgenommen, aber ich musste mich wohl erst in einem abgelegenen Teil des Oberpfälzer Waldes ohne Handyempfang verlaufen, um zu kapieren, dass mich nie jemand finden würde, wenn ich mir den Fuß brechen und dann qualvoll verhungern würde. Oder von Zecken leer gesaugt. Was einem halt so alles durch den Kopf geht, wenn man sich in einer Wiese verirrt hat, in der einem das Grün bis über den Bauchnabel reicht und es einem langsam dünkt, dass hier irgendetwas (oder besser: irgendwer – ich!) falsch läuft.

„Einer der schönsten Abschnitte des Qualitätswanderweges Goldsteig ist sicherlich das Pfreimdtal bei Trausnitz. In dem urwüchsigen Tal führt ein schmaler Pfad, der nur von Wanderern zu erkunden ist, entlang des Flüsschens. Mit seinen naturbelassenen Ufern mit wilden Stauden und bemoosten Steinen ist die Tour ein echter Geheimtipp für Naturgenießer.“ 

Die Tourenbeschreibung liest sich wie eine Aneinanderreihung von Reizworten, perfekt auf mich abgestimmt. Ich hab das mit dem „naturbelassen“ dann allerdings so ernst genommen, dass ich, als der „schmale Pfad“ komplett aufhörte, dachte, das muss wohl so, weiter geht’s. Immer weiter hinein in diese wunderschöne, duftende, wilde und unberührte Wiese. Die Karte zeigte einen Weg direkt am Ufer entlang. Also ging ich direkt am Ufer entlang.

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Pfreimd Goldsteig Trausnitz

Sieht nicht wie hüfthohes Gras aus, ist aber hüfthohes Gras.

Indiana Jane der Oberpfalz!

Neben mir plätscherte der Fluss durchs Grün. Das Gras wurde immer höher. Ich sprühte mich an den Beinen und am T-Shirt-Rand mit Anti-Brumm ein, das ich im Rucksack hatte. Irgendwann steckte ich mir dann noch die Hose in die Wandersocken. Und hatte nur noch Zecken im Kopf. Inzwischen lief ich durch kniehohes, mit Blumen und Brennnesseln durchwachsenes Gras. Schön, wirklich schön! Doof nur, dass ich gerade noch mit Mühe erkennen konnte, dass irgendwann einmal jemand oder etwas vor mir durch die Wiese gelaufen war.

Kurze Pause an einer besonders hübschen Stelle am Fluss.

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Kein Weg zu sehen. Nur dichtes Grün. Ob ich hier richtig bin? Wie lange soll ich denn noch durch die Wiese stapfen, die mir inzwischen bis zum Bauchnabel reichte? Aber wo hätte ich schon sonst lang laufen sollen? Also weiter. Ich, die Indiana Jane der Oberpfalz!

Letzte Lebenszeichen aus dem Sumpf

Und dann wurde der Boden unter mir plötzlich ganz weich und fing verdächtig an zu schmatzen. Um mich herum auf einmal statt Gras und Wiese so schilfartiges Gezuppel. Und auf meiner Hose kreuchte und fleuchte es geschäftig. Ihr kennt das: Dann juckt es plötzlich überall und man denkt an vielbeinige Blutsauger, die einem Eier unter die Haut legen. Und an Krokodile.

Ich bin dann also in etwas zügigerem Tempo zurück durch die Rinne, die ich auf dem Hinweg durch die komplette Wiese gezogen hatte. Machte noch ein paar schöne Fotos von dieser gefährlichen Natur, damit man später, wenn man mich gefunden hat, weiß: Eigentlich mochte diese Frau das alles um sich herum ganz gerne. Auch, wenn es sie letztlich aufgefressen hat.

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Und dann sah ich die Abzweigung, die ich vor rund einer Stunde hätte nehmen sollen, deutlich markiert. Ähem.

Und von da an war es einfach nur wundertoll und schön, schön, schön:

Ein Geheimtipp, der wirklich einer zu sein scheint

Die Tour ist abwechslungsreich: große bunte Wiesen, schattiger Wald, idyllisches Flussufer, steinige Abschnitte, wogende Weizenfelder, Natur ohne Ende, weite Ausblicke, winzige Dörfchen. Und ich habe noch nie zuvor einen Baum gesehen, an dem ein Biber genagt hatte! Mir sind nur sehr wenige Menschen begegnet, obwohl es Sonntag war. Vielleicht ist diese Runde tatsächlich so wie ich es gelesen hatte ein „Geheimtipp“. :)

tl;dr [Too long; didn’t read]

Fast alles, was geschah, in eineinhalb Minuten. (Ich übe noch.)

Laut Tourenbeschreibung dauert der Rundweg durch das Pfreimdtal drei Stunden. *ICH* habe fünf Stunden gebraucht. Ihr wisst schon, warum. (Und dann waren da neben dem Verlaufen ja noch die Fotografiererei und ein Picknick.) Bei GPSies gibt es die  Tour in ähnlicher Form zum Herunterladen. Und nicht vergessen: Augen auf und immer schön dem blauen Kreis auf weißem Grund folgen, den man auf den Bäumen findet! ;)

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